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Piwis - Pilzresistente Rebsorten

'Johanniter', 'Solaris', 'Regent', 'Helios', 'Phoenix' sind Rebsorten, die dem Weintrinker immer öfter begegnen. Sie versprechen dem Weinbau eine Zukunft mit weitestgehend reduziertem Pflanzenschutz und ohne Bodenbelastung. Sie wurden als sogenannte PIWIS – pilzwiderstandsfähige Rebsorten - gezüchtet. Denn die beiden bedrohlichsten Krankheiten, die regelmäßigen Pflanzenschutz auch im Bioweinbau nötig machen, sind der Falsche (Peronospora) und der Echte Mehltau (Oidium). Die Aussicht, praktisch ohne Spritzmittel Wein anbauen zu können, ist verlockend.

Matthias Wolff vom Beratungsdienst Ökologischer Landbau und Präsident von PIWI International e.V. ist Experte für die 'starken Reben':

Haben die Piwi’s eine Zukunft?

„'Piwi' steht als Abkürzung für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Darunter versteht man durch klassische Kreuzung (keine Gentechnik) entstandene robuste, neue Rebsorten, die deutlich weniger Pflanzenschutz brauchen.

Seit ca. Mitte des 19. Jahrhunderts bereiten der echte (Oidium) und der falsche Mehltau (Peronospora) unseren traditionellen Europäerreben Probleme, die in manchen Jahren bis zum Totalausfall führen. Um dem zu entgegnen gibt es kurzgefasst zwei Möglichkeiten: Pflanzenschutz oder gegen die beiden Mehltaukrankheiten resistente Rebsorten. Die zweite Variante ist auf jeden Fall die charmantere Lösung, braucht es doch weniger bis gar keinen Pflanzenschutz.

Die Kreuzungszüchtung mit dem Ziel Pilzwiderstandsfähigkeit gibt es in diesem Fall seit Ende des 19. Jahrhunderts. Diese Sorten bekamen eine recht große Verbreitung, Frankreich hatte z. B. bis Mitte der 60er Jahre 300.000 ha dieser Piwis im Anbau – ca. das 3-fache der derzeitigen deutschen Rebfläche ...

Der Anbau dieser resistenten Sorten wurde aus unterschiedlichsten Gründen verboten – ein Fall für Verschwörungstheoretiker - und die Reben wurden zwangsgerodet. In Deutschland war der Anbau übrigens schon seit dem dritten Reich verboten (Amerikanerblut). In der EG gibt es einen Hybridenerlass, der den Anbau dieser Sorten bis zum heutigen Tag untersagt.

Eigentlich in allen weinbautreibenden Ländern der Welt wurden und werden weiterhin Piwis gezüchtet. Auch in Deutschland, wo die Züchtungserfolge der letzten Jahrzehnte inzwischen vom Bundessortenamt als Europäerreben eingestuft werden. Somit ist der Anbau nicht mehr generell verboten.

Seit etwa 2 Jahrzehnten sind etliche dieser Neuzüchtungen in Deutschland im Anbau und Verkauf. Zögerlich beginnt dies nun auch bei unseren europäischen Nachbarn. Problem: gerade der deutsche Verbraucher ist auf traditionelle Rebsorten fixiert. Weine aus neuen Rebsorten werden nicht nachgefragt. Folglich steigert sich der Anbau nur zögerlich. Jede Generation vor uns, seit dem es Landwirtschaft als Kultur gibt, hat die jeweiligen Probleme ihrer Zeit durch Züchtung oder Selektion zu lösen gesucht. Das gilt für jeden Bereich der Landwirtschaft. Nur beim Weinbau, besser beim Weinverkauf tun wir uns schwer mit neuen Sorten.

Dabei sind Piwis wirklich ein Segen, braucht man doch im Weinbau weniger Pflanzenschutz zu betreiben. Es ist gut für die Umwelt, für die Winzer, für die Verbraucher. Langfristig gesehen sind Piwis die einzige Vision, die dem Weinbau verbleibt. Schon heute stellt der Anbau dieser robusten Rebsorten den 'wahren' biologischen Weinbau dar!“

Wer mehr Information zum Thema Piwis sucht: www.piwi-international.org

Download: Broschüre Piwi

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