Vorpremiere VDP.GROSSES GEWÄCHS
(Foto Peter Bender)
Vorpremiere VDP.GROSSES GEWÄCHS in Wiesbaden
Immer Ende August, kurz vor dem offiziellen Verkaufsstart zum 01. September, veranstaltet der VDP in den so weitläufigen wie gediegenen Räumlichkeiten der Wiesbadener Kurkolonnaden die Vorpremiere seiner Großen Gewächse. Ein Fixpunkt im Kalender internationaler und nationaler Verkoster, seien es Weinhändler, Importeure, Top-Sommeliers oder Fachjournalisten und Blogger, die sich über insgesamt drei Tage ein Bild über den neuen Jahrgang verschaffen können. Sicherlich eine der bestorganisierten Verkostungen nicht nur in der deutschen Weinwelt.
594 Weine haben die rund 200 VDP-Winzer, von denen inzwischen mehr als ein Drittel biologisch arbeiten, 2026 offiziell als GG angemeldet, gut 400 davon wurden in Wiesbaden erstmals dem Fachpublikum präsentiert, davon mehr als die Hälfte Rieslinge.
Das Weinjahr 2025
Auf den ersten Blick wieder ein warmer Jahrgang wie so viele in der Vergangenheit, allerdings zum Glück ohne Frühjahrfrost wie in 2024 und dafür mit ausreichend Niederschlägen im Sommer. Durchweg ein Jahrgang mit früher physiologischer Reife und im markanten Kontrast zum „ewigem Herbst“ des Vorgängerjahrgangs mit kurzem Lesezeitfenster: vereinzelt mit einem Lesebeginn bereits im August und nicht selten niedrigen bis sehr niedrigen Erntemengen (z.B. bei Philipp Wittmann).
Viel Konzentration durch niedrige Erträge, dazu viel Power, aber eben auch immer noch ausreichend Säurestruktur, Frische und Eleganz.
Viele Weine erinnern hinsichtlich ihres Aromaprofils und mit ihrer Saftigkeit an den Jahrgang 2019 in seiner Jugend, wobei sie doch durchweg etwas wärmer und voluminöser ausfallen und damit eher an 2020 oder 2015 denken lassen.
Eine Auswahl aus unseren Favoriten
Riesling VDP.GROSSE LAGE MARIENBURG GG 2025 Busch
Vor der Novellierung des Deutschen Weingesetzes Anfang der 1970er Jahre waren Fahrlay, Falkenlay, Rothenpfad und Raffes noch eigenständige Lagen, die dann in der Lage Marienburg zusammengefasst wurden. Familie Busch trägt der Eigenständigkeit und Vielschichtigkeit ihrer Weinberge Rechnung, indem sie weiterhin ganz bewusst die alten Parzellenbezeichnungen verwenden, was immer wieder Mal zu Diskussionen mit den Behörden führt.
Wenn „nur“ Marienburg auf der Flasche steht, fließen Partien aus den diversen Parzellen in den Wein ein. Das ist auch immer das erste GG von Busch, welches auf den Markt kommt. Schaut man ein paar Jahre zurück, wirken die Weine von Clemens und Johannes heute in der Jugend schon deutlich zugänglicher, die Spontinoten fallen dezenter aus. In der Nase kühler, nasser Stein sowie Kamille, Verveine und Mirabellen. Öffnet sich schnell, schöne Dichte, feingliedrig, aber mit einer gewissen Fülle, die ihm gut steht. Sanfter Druck, angenehm trinkig, mit eher warmer Mineralik im Finish, dabei ganz ohne Schwere.
(Peter Riegel, Gründer)
Riesling VDP.GROSSE LAGE ST. NIKOLAUS GG 2024 Kühn
Wie immer gibt man bei Kühn den GGs ein zusätzliches Jahr Reife, bevor sie präsentiert werden. Entsprechend kommen jetzt die 2024er auf den Markt. Und wie immer sind die Weine von einer sehr klaren, fast blind wiedererkennbaren Handschrift geprägt, was nicht nur darin liegt, dass sie mit zusätzlicher Flaschenreife gesetzter, ruhiger, fast gelassen wirken.
Öffnet sich mit etwas Belüftung recht schnell, dezent Feuerstein in der Nase. Viel Grip und Festigkeit am Gaumen. Ein sehr lebendiger Wein mit viel Zitrik und Salzigkeit, dabei trotz seiner Komplexität unglaublich erfrischend, fast schon vitalisierend. Sehr langes, angenehmes Finale.
(Peter Riegel, Gründer)

Riesling VDP.GROSSE LAGE AULERDE GG 2025 Wittmann
Die Aulerde ist in der Regel das Große Gewächs, das in der Jugend sich am schnellsten öffnet. Während Morstein und Kirchspiel häufig noch mineralisch schroff daherkommen, bereitet die Aulerde mit ihrer manchmal fast tropischen Fruchtigkeit schon im frühen Stadium richtige Trinkfreude. Das erklärt sich aus dem Mikroklima der Lage, die als wärmste Lage Westhofens gilt. Das Kirchspiel im Westen umschlingt mit seinem amphiteaterförmigen Halbkessel die Aulerde und schützt sie so vor kühlen Winden.
Frühere Zugänglichkeit sollte man aber in keinem Fall mit weniger Komplexität gleichsetzen. Dabei wirkt die 2025er Aulerde im Vergleich zu den vergangenen Jahren diese Mal noch relativ verschlossen. Lindenblüten, Holunder, frische Kräuter, überhaupt ziemlich ätherisch in der Nase. Dazu viel Limonen und reifes Zitrus, dahinter viel Mineralik und Vielschichtigkeit. Auch wenn Lage und Jahrgang als warm gelten, bringt die Aulerde mit dem Jahrgang 2025 eine kühle Frische mit sich, gradlinig und mit angenehmem Biss. Wie alle Wittmann-GG sehr klar und präzise.
(Jörg Hurrle, Einkauf Deutschland)
Riesling PECHSTEIN GC QW 2025 Dr. Bürklin-Wolf HK
Erste Nase changierend zwischen leichter Reduktion und Biodyn-Sponti-Note. Dann markant steinig: mehr Stein als Frucht, mit überraschender Kühle, im Moment dabei fast noch etwas abweisend. Eher ein stiller Wein, kraftvoll, aber nicht opulent, präzise und mit fein dosierter Mineralik, die schon beim ersten Schluck sofort da ist und ganz lange am Gaumen nachhallt. Schöne Fruchtsüße im Andruck, kräutrig-würzig: Minze, Zitronenzesten, aber auch Kamille, Malz und Tabak. Angesichts der Jugend jetzt schon in erstaunlicher Balance: ein bisschen ein Wolf im Schafspelz, dessen Kraft und Potential man im Moment nur erahnen kann.
(Jörg Hurrle, Einkauf Deutschland)

(Foto Peter Bender)